Systematische Desensibilisierung bei Ängsten in der Psychotherapie (© intheskies / stock.adobe.com)

Systematische Desensibilisierung bei Ängsten / in der Psychotherapie

Desensibilisierung in der Verhaltenstherapie durch Exposition, Reizkonfrontation und Flooding?

Jeder Mensch hat manchmal Angst – doch bei einer Angststörung ist die Furcht bzw. das Furchtgefühl so stark ausgeprägt, dass sie das Leben einschränkt und eine erhebliche Belastung darstellt. Sowohl die Psychologie als auch die Psychiatrie haben deshalb verschiedene Verfahren entwickelt, um Betroffenen zu helfen.

In der Psychologie und Psychotherapie steht dabei das Erleben und Verhalten im Vordergrund. Die Psychiatrie verfolgt eine medizinische Herangehensweise an die Angststörungen. Beide Vorgehensweisen können auch miteinander kombiniert werden.

Phobien können die Lebensqualität erheblich verringern

Eine Phobie ist mehr als normale Angst (siehe Phobie Definition). Menschen, die unter dieser Art von Angststörungen leiden, empfinden bei der Konfrontation mit dem angstauslösenden Reiz teils schwere Symptome. Die körperlichen Symptome einer Panikattacke können sich für die Betroffenen sogar so anfühlen wie ein Herzinfarkt.

Dabei treten vegetative Symptome wie Herzrasen und Schwitzen auf. Der Mund ist trocken und der Betroffene zittert. Manche Angstpatienten empfinden auch ein Kribbeln in den Händen oder in den Beinen. Hinzu kommt das eigentliche Angstgefühl.

Viele Betroffene vermeiden deshalb Situationen, in denen die Angst auftreten können. Dies kann zu gravierenden Einschränkungen im Alltag führen. Manche Phobiker sind aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr in der Lage, ihren Beruf auszuüben, oder müssen sich im Job stark einschränken, um ihre Arbeit weiterhin ausführen zu können.

Bei manchen Betroffenen wird die krankhafte Angst durch Tiere oder Menschen hervorgerufen. Auch Blut, bestimmte Situationen oder Wetterereignisse können bei Phobikern eine starke Angstreaktion auslösen. Welche Phobie jemand entwickelt, hängt von den persönlichen Erfahrungen ab, die die Person im Lauf ihres Lebens gemacht hat. Die überzogene, krankhafte Angst wird dabei (fälschlicherweise) erlernt.

Die klinische Psychologie beobachtet, dass manche Phobiearten häufiger auftreten als andere. Beispielsweise gibt es deutlich mehr Menschen, die unter Höhenangst leiden, als Personen, die eine krankhafte Angst vor Autoreifen haben. Der Grund dafür besteht darin, dass eine genetische Veranlagung existiert, die die Entstehungswahrscheinlichkeit von manchen Phobien erhöht.

Was hilft bei übertriebenen Ängsten?

In der Psychotherapie gibt es unterschiedliche Herangehensweisen an psychische Krankheiten. Bei Phobien hat die Verhaltenstherapie mit der systematischen Desensibilisierung eine effektive Lösung für phobische Störungen gefunden, die bei vielen Patienten erfolgreich ist. Im Vergleich zur Therapie von anderen psychischen Krankheiten ist die Behandlungsdauer bei einer spezifischen Phobie oft eher kurz.

Das Prinzip der Desensibilisierung beruht auf einem Gewöhnungseffekt, der in der Psychologie auch als Habituation bezeichnet wird. Die Psyche soll bei der Desensibilisierung lernen, dass die Angst unbegründet ist.

Phobiker sind sich bewusst, dass ihre Angst übertrieben oder völlig abwegig ist. Allerdings hat sich die Angstreaktion bei einer Phobie im Gehirn bereits automatisiert: Die Situationen, Tiere oder Objekte, die Angst auslösen, führen unwillkürlich zur Angstreaktion. Das Ziel der systematischen Desensibilisierung besteht deshalb darin, diese neuronale Verknüpfung von dem Reiz und der Angst zu lösen.


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Was genau ist eine Verhaltenstherapie?

Die Verhaltenstherapie ist eine bestimmte Form der Psychotherapie und legt großen Wert auf wissenschaftlich begründete Methoden. Bei der kognitiven Verhaltenstherapie sprechen die Patienten nicht nur über ihre Probleme, sondern führen unter Anleitung ihres Therapeuten auch Übungen durch.

Wenn die Verhaltenstherapie von einem approbierten Psychotherapeuten durchgeführt wird, der eine Kassenzulassung besitzt, kann die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die Psychotherapie bei einer diagnostizierten Angststörung übernehmen. Bei Phobien handelt es sich um anerkannte psychische Krankheiten.

Obwohl die systematische Desensibilisierung eine Methode ist, die von der Verhaltenstherapie entwickelt wurde, kann die Desensibilisierung auch in anderen Kontexten zur Anwendung kommen. Zum Beispiel gibt es andere Therapeuten, Selbsthilfematerialien und Gruppen, die sich dieses Verfahren ebenfalls zunutze machen.

Verhaltenstherapie: Was ist das, wie läuft das?

Wie funktioniert die Reizkonfrontation?

Die psychotherapeutische Methode der Desensibilisierung beruht darauf, dass sich ein Angstpatient seiner Angst stellt. Diese Reizkonfrontation stellt eine vorübergehende psychische Belastung dar. Nach und nach verringert sich die Angst jedoch.

Üblicherweise nähert sich der Betroffene bei der Desensibilisierung seiner Angst schrittweise an. Für manche Spinnenphobiker ist es bereits eine Herausforderung, das Bild einer Spinne zu sehen oder ein Video zu betrachten. Andere haben damit keine Schwierigkeiten und beginnen deshalb bei der systematischen Desensibilisierung möglicherweise gleich mit einem lebendigen Tier.

Beim Lernen entstehen neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn. Um diese Verbindung zu stärken, ist es wichtig, dass die Reizkonfrontation wiederholt wird. In der Verhaltenstherapie erhalten Angstpatienten deshalb oft Hausaufgaben, um ihre Erfolge zu vertiefen.

Für welche Phobien ist die systematische Desensibilisierung geeignet?

Die Desensibilisierung kann bei vielen Phobien angewandt werden. Dazu gehören weit verbreitete spezifische Ängste wie die Furcht vor engen Räumen (Klaustrophobie) oder die verschiedenen Formen der sozialen Phobie.

Doch auch bei anderen und eher ungewöhnlichen Phobien kann die systematische Desensibilisierung eine Option zur Behandlung darstellen, zum Beispiel bei den folgenden Angststörungen:

Bei der Blutphobie oder einer krankhaften Angst vor Spritzen ist eine systematische Desensibilisierung ebenfalls möglich. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass die Betroffenen bei der Reizkonfrontation in schweren Fällen ohnmächtig werden können. Deshalb wird bei der Therapie zu Beginn geklärt, ob dieses Risiko bei dem Patienten individuell besteht. Ein guter Therapeut hat auch bei der Desensibilisierung stets das Wohl seines Patienten im Blick.

Welche Verfahren gibt es außerdem?

Als Ergänzung oder Alternative zur Verhaltenstherapie kommen andere Behandlungsformen infrage, die jeweils unterschiedliche Verfahren anwenden können. Dazu gehören zum Beispiel andere Formen der Psychotherapie, zum Beispiel die Psychoanalyse oder die tiefenpsychologische Therapie.

In der Soziotherapie werden soziale Zusammenhänge einbezogen – deshalb kommt sie zur Behandlung einer sozialen Phobie in Betracht. Im Gegensatz dazu hat sich die Psychiatrie der medizinischen Herangehensweise verschrieben. Ein Psychiater kann Medikamente verschreiben, die die Angstsymptome lindern oder das Aufkommen von Panikattacken reduzieren sollen. Dies ist jedoch nicht immer erforderlich: Auch eine reine Psychotherapie kann bei vielen Menschen, die unter einer spezifischen Phobie leiden, gute Ergebnisse erzielen.


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Manchmal kommen in der Therapie auch Verfahren wie die Hypnose zum Einsatz. Sowohl bei der Hypnose als auch in der Psychokinesiologie wird die Bedeutung des Unbewussten betont. Während einer Hypnose hilft der Therapeut dem Patienten dabei, einen tiefen Entspannungszustand zu erreichen, um beispielsweise an unbewussten Einstellungen zu arbeiten. Bei der Psychokinesiologie sollen unbewusste Glaubenssätze verändert werden.

Wie Sie sehen, kann die Behandlung von Angststörungen sehr unterschiedlich gestaltet werden. Neben den hier genannten Verfahren existieren zahlreiche weitere Herangehensweisen. Die Behandlung hängt einerseits davon ab, in welchen Verfahren der Therapeut ausgebildet ist – andererseits wählt der Behandler Methoden aus, die für den individuellen Fall vielversprechend erscheinen.

Quellen

Alle Links wurden am 02.04.2020 abgerufen.

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