Angst vor Menschen - Sozialphobien, Agoraphobien & Co. (© ibreakstock / Fotolia)

Angst vor Menschen – in unterschiedlichen Ausprägungen

Sozialphobie vs. Angst vor Menschenmassen, Enochlophobie, Demophobie, Ochlophobie, Agoraphobie

Menschen können manchmal beängstigend sein. Wir müssen uns nur in der Weltgeschichte umschauen, oder die Bild-Zeitung lesen, um das zu verstehen. Trotzdem ist ebenso wahr, dass das Weiterleben unmöglich wird, wenn nicht ein gewisses Grundvertrauen gegenüber fremden Menschen vorhanden ist. Den Menschen, die jemand in sein Leben lässt, sollte jeder vertrauensvoll begegnen können. Eine wachsame Haltung ist dennoch klug. Wachsamkeit, Vorsicht und Misstrauen sind aber zwei verschiedene Schuhe.

Zwischen blindem Vertrauen und Angst vor Menschen

Blindes Vertrauen ist ebenso wenig angebracht, wie eine generelle Angst vor Menschen. Wir sprechen hier zum Beispiel von einer Sozialphobie (vgl. soziale Angst verstehen und behandeln), oder von Angst vor Menschenmassen. Begriffe wie Ochlophobie, Demophobie oder auch Enochlophobie sind den meisten Menschen nicht geläufig. Beginnen wir damit, diese Begriffe zu erklären.

Von einer Sozialphobie oder Soziophobie wird gesprochen, wenn jemand sich in Gesellschaft anderer unwohl fühlt. Solche Menschen glauben, sie werden abgelehnt (vgl. Angst vor Ablehnung), weil sie rot werden (vgl. unseren Artikel zu Erythrophobie, Rotwerden / Errötung), oder nicht gut aussehen, weil sie wegen irgendeines Verhaltens anecken oder lächerlich sind. Solche Menschen möchten in Gesellschaft anderer lieber unsichtbar sein, und keinerlei Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie leiden oft an Kontaktangst oder können panische Ängste vor Keimen entwickeln.

Die Angst vor Menschen kann sich auch auf amorphe Menschenmassen im Kaufhaus, in Fußballstadien oder bei Demonstrationen beziehen. Die Angst vor Menschenmassen wird auch Agoraphobie genannt (siehe Agoraphobien). Damit bezeichneten Fachleute früher nur die Angst vor großen Plätzen. Mittlerweile haben die Mediziner erkannt, dass diese Angststörung sich auch auf Menschenansammlungen beziehen kann. Betroffene würden weder in eine volle Bahn, noch in ein Flugzeug steigen. Sie würden den Markusplatz in Venedig als beängstigend empfinden – unabhängig davon, wie viele Menschen sich gerade darauf befinden. Die Enochlophobie bezeichnet eine Angststörung, die sich ausschließlich auf Panik vor Menschenmassen bezieht. Dieselbe Angst ist auch als Demophobie oder Ochlophobie bekannt.

Eine Angststörung hat nichts mit Schüchternheit zu tun, sondern mit einer aus dem Ruder gelaufenen Befürchtungshaltung. Viele Menschen haben latente Berührungsängste. Damit kann sowohl ein Unbehagen bei einer Umarmung gemeint sein, als auch die panische Angst vor Berührungen im Allgemeinen. Manche Menschen vermeiden beispielsweise eine Berührung der Hand fremder Menschen, wenn sie ihnen Wechselgeld zurückgeben müssen. Andere möchten ihrem Gegenüber überhaupt nicht die Hand geben. Die Angst vor Menschen bahnt sich viele Wege. Sie kann unauffällig bleiben, indem Menschen aus Sicherheits-Erwägungen heraus grundsätzlich Demonstrationen, Fußballspielen oder Großereignissen fernbleiben. In diesem Fall ist das Vermeiden aber nicht als Phobie einzustufen. Eine Phobie ist durch Schweißausbrüche, Panikattacken, Vermeidungsverhalten, Herzrasen und einen trockenen Mund gekennzeichnet. Wo immer Angstattacken im Spiel sind und keine normalen Sicherheitsbedürfnisse, ist ein Krankheitswert gegeben. Es handelt sich um eine Angststörung.

Quellen:

  • https://de.m.wikipedia.org/wiki/Soziale_Phobie
  • https://www.psychenet.de/de/psychische-gesundheit/informationen/soziale-phobie.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Agoraphobie
  • www.depressionen-depression.net/phobie/die-enochlophobie.shtml
  • https://phobie-wissen.de/phobienliste/demophobie-angst/
  • https://www.angst-verstehen.de/ochlophobie/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Ber%C3%BChrungsangst

Angststörungen, die mit Menschen zu tun haben

Eine Menschen betreffende Angststörung kann jeden Menschen im Laufe seines Lebens betreffen. Viele Menschen spüren ein Unbehagen vor randalierenden Demonstranten, überfüllten Weihnachtsmärkten oder Fußballstadien mit entfesselten Fans. Unbehagen sorgt für mehr Vorsicht. Eskaliert dieses Unbehagen aber, weitet es sich zu einer Angststörung aus.

Wenn die Angst vor Menschenmassen dazu führt, dass jemand wegen anderer Anwesender nicht mehr seinen Edeka-Laden aufsuchen kann, sollte niemand das noch als Schüchternheit ansehen. Hier entsteht ein Meidungsverhalten, das ungesund ist. Es führt wegen der damit verbundenen Begleiterscheinungen aufsteigender Panik zu Leidensdruck. Eine Angststörung wie die Sozialphobie, die Agoraphobie oder z.B. bei Frauen die generelle Angst vor Männern ist behandlungsbedürftig.

Angst vor Männern oder bei Männern die pauschale Angst vor Frauen kann schwerer zu erkennen sein. Beide können sich als mangelnde Nahbarkeit und Scheu vor der Intimität einer Beziehung ebenso äußern, wie in genereller Feindseligkeit gegenüber dem anderen Geschlecht. Diese Ängste leben sich aber meist anders aus, als Phobien. Es geht hier mehr um Beziehungsängste und Berührungsängste, oder um Beziehungsunfähigkeit im Sinne von „sich nicht einlassen können“ (vgl. Bindungsstörungen). Dennoch können auch solche Ängste vor Menschen prinzipiell zu einer Phobie führen. Im Fall einer „normalen“ Beziehungsstörung kann eine Therapie solche latenten Ängste sichtbar machen. Bemerkt jemand, dass er eine ungesunde Angst vor Männern oder Menschenmengen hat, sollte er eine Behandlung anstreben.

Eine Angst vor Vertretern des männlichen Geschlechts kann auf verdrängte oder aktuelle Erlebnisse mit Männern zurückgehen, beispielsweise sexuellen Missbrauch oder Gewalterfahrungen. Die Angst vor Frauen resultiert öfter aus einer allzu dominanten Mutter. Wie auch immer sich die Angst vor Menschen bemerkbar macht: Sobald Leidensdruck und Meidungsverhalten sich mehren, und alle Symptome einer Phobie manifest sind, sollte der Betroffene eine Behandlung durch eine Gesprächspsychotherapie suchen. Er sollte die Ursachen seiner Panikattacken klären, um danach ein weniger belastetes Leben führen zu können. Angst-Symptome können das Leben der Betroffenen stark einschränken. Sie breiten sich irgendwann zu einer generalisierten Angst aus.

Quellen:

  • https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/kontaktangst.html
  • www.depressionen-depression.net/angst-phobie-panik/soziale-phobie.shtml
  • https://broadly.vice.com/de/article/gyx849/wenn-maenner-krankhafte-angst-vor-frauen-haben
  • https://www.angst-verstehen.de/gynophobie-angst-vor-frauen/
  • https://www.angst-verstehen.de/androphobie-angst-vor-maennern/
  • https://www.stern.de/neon/herz/liebe-sex/jungfrau-mit-mitte-20—ich-habe-angst-vor-maennern–8513024.html

Die Ursachen von Angst vor Menschen

Die Ursachen für Angst vor Menschen sind meistens schwer auszumachen. Vermutlich kommen viele Dinge zusammen. Frühkindliche Vertrauensbrüche können ebenso dazu gehören wie schlechte Erfahrungen mit bestimmten Menschen. Die allgegenwärtigen Medienberichte der Moderne prägen meist ein negatives Menschenbild. Doch wo immer die individuellen Ursachen sind: Wer soziale Ängste oder Angst vor anderen Menschen entwickelt, hat es schwerer im Leben. Die Familie hat oft sofort den Verdacht, etwas damit zu tun zu haben. Tatsächlich sind Anfänge und Ursachen vieler Angststörungen oft in der Kindheit zu suchen. Wenn schon Kinder Probleme im Umgang mit anderen zeigen, oder Berührungsängste entwickeln, kann das ein erstes Anzeichen für eine spätere Angststörung sein. Oft wachsen sich solche Störungen später aber aus. Bei manchen Menschen bleibt nur eine gewisse Schüchternheit übrig.

Sozialphobien haben ihre Ursache häufig in schlechten zwischenmenschlichen Erfahrungen und Traumatisierungen. Häusliche Gewalt, sexueller und psychischer Missbrauch sind vermutlich weiter verbreitet, als bekannt ist. Auch anderweitig traumatisierte Menschen neigen zu sozialen Phobien. Sie entwickeln Angst vor Menschen. Diskutiert werden von Fachleuten außerdem psychosoziale, lernbiologische, biologische oder genetische sowie individuelle psychologische Ursachen. Schüchternheit oder leichte Erregbarkeit gelten jedenfalls nicht als Risikofaktoren für Soziophobien. Vielmehr sind lernpsychologische Ursachen wahrscheinlicher. Wir lernen beispielsweise, dass es im Leben eines Menschen potenzielle Gefahren und Risiken gibt. Viele davon sind menschengemacht. Das macht vorsichtiger, manchmal aber auch ängstlicher. Wenn Ängstlichkeit zu körperlichen Symptomen führt, ist die Grundlage zu einer Phobie gelegt.

Ob die Angst-Attacken sich in Form von Berührungsangst, Angst vor Menschenmassen oder Angst vor Frauen manifestieren, ist individuell verschieden. Die Ursachen von damit verbundenen Panikattacken, von Schweißausbrüchen, Herzrasen und Vermeidungsverhalten liegen jedoch klar im Missverhältnis zu den Mitmenschen. Um die Angst-Attacken zu bewältigen, und die Angstsymptome zurückzudrängen, ist eine Psychotherapie in fast jedem Fall sinnvoll. Anderen Menschen vertrauensvoll zu begegnen, schließt nicht aus, dass jemand weiterhin auf bestimmte Signale mit Vorsicht oder Rückzug reagiert. Es ist dann aber eine bewusste Entscheidung, und kein innerer Zwang mehr.

Quellen:

  • https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_70473660/soziale-phobie-ursachen-fuer-die-angst-vor-menschen.html
  • https://www.apotheken-umschau.de/Angst
  • https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/kontaktangst.html

Die Behandlung von solchen Störungen

Für die Demophobie oder Enochlophobie gilt das gleiche, wie für Angstattacken gegenüber anderen Objekten: Die Behandlung solcher Störungen kann durch eine Psychotherapie (meist in Form einer Verhaltenstherapie) erfolgen und oft erfolgreich verlaufen.

Verhaltenstherapie: Was ist das, wie läuft das?

Manch einer versucht es mit einer Hypnotherapie – mitunter mit schnellem Erfolg, aber ganz sicher nicht immer wirksam.

Wenn der Betroffene die Ursachen seiner Panikattacken kennt, versteht er auch, was sie entfesselt hat. Er kann dadurch auch erkennen, dass er selbst der Angst eine zu hohe Priorität in seinem Leben eingeräumt hat. Jeder kann folglich etwas dagegen unternehmen. Somit sind die Betroffenen nicht mehr hilflos ausgelieferte Opfer. Sie werden wieder zu Handelnden in eigener Sache.

Bis dieser Schritt getan ist, vergehen aber oft mehrere Jahre. Die Betroffenen glauben aufgrund der körperlichen Angstsymptome, körperlich krank zu sein. Sie erkennen oft nicht, dass die Angst-Attacken seelisch bedingt sind. Vielmehr interpretieren sie das damit verbundene Herzrasen und die Schweißausbrüche nicht als Angstsymptome, sondern als Anzeichen einer Herzerkrankung. Die unsinnigen medizinischen Untersuchungen, die daraufhin erfolgen, ergeben meist nichts. Wenn die Ursachen von Panikattacken im Psychischen liegen, sind eine Gesprächspsychotherapie, eine Verhaltenstherapie oder eine Hypnotherapie der erfolgversprechendste Weg, um damit fertig zu werden.

Soziale Phobien sind mit Psychotherapie gut behandelbar. Niemand sollte jahrelang an einer entfesselten Angst vor Menschenmassen oder Menschen leiden, ohne Hilfe zu erfahren. Der „Forschungsverbund zur Psychotherapie der Sozialen Phobie“ (SOPHO-NET), hat sich jahrelang mit dem Thema „soziale Phobie“ befasst. In einer vor einigen Jahren abgeschlossenen multizentrischen Studie haben die Mitwirkenden des SOPHO-NET die Wirksamkeit einer Psychotherapie Behandlung bei Soziophobien erforscht. Es handelte sich dabei um die bisher weltweit bedeutendste und größte Studie zum Thema mit 500 teilnehmenden Probanden.


Angst vor Menschen / Studie belegt: Psychotherapie hilft bei sozialer Phobie (https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/angst-vor-menschen-studie-belegt-psychotherapie-hilft-bei-sozialer-phobie-2730.php)
Angst vor Menschen / Studie belegt: Psychotherapie hilft bei sozialer Phobie (https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/angst-vor-menschen-studie-belegt-psychotherapie-hilft-bei-sozialer-phobie-2730.php)

„Die Studienteilnehmenden wurden zufällig in eine von drei Gruppen eingeteilt. Entweder erhielten sie über einen Zeitraum von 10 Monaten eine kognitive Therapie, eine psychodynamische Therapie oder wurden ohne psychotherapeutische Behandlung auf eine Warteliste platziert. Nach Ablauf des Behandlungszeitraums wurden die Teilnehmenden zwei Jahre lang wissenschaftlich beobachtet und nach ihren Ängsten befragt.“ (https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/angst-vor-menschen-studie-belegt-psychotherapie-hilft-bei-sozialer-phobie-2730.php)

Der Studienverlauf von zwei Jahren Beobachtungszeit ergab, dass soziale Ängste durch eine Psychotherapie deutlich gebessert werden. Begleitend aufgetretene Depressionen oder körperliche Symptome verschwanden größtenteils oder ganz. Mehr als 70 Prozent der Psychotherapie-Probanden waren auch zwei Jahre später noch in guter seelischer Verfassung.

Es ergab sich auch: Die Form der Psychotherapie, der sich Phobiker unterziehen sollten, ist egal. Sowohl die kognitiven Therapie, als auch eine psychodynamischen Therapie zeitigen Erfolge. Nur eines klappt nicht: eine Phobie auszusitzen, oder zu lange zu warten. Weitere Studien zum Thema soziale Phobien sollen folgen. Offensichtlich sind solche Phobien weiter verbreitet, als mancher denkt. Die Betroffenen befinden sich also in guter Gesellschaft. Sie müssen keine Angst haben, verrückt zu sein.

Quellen: