Selbstfürsorge lernen (© hikdaigaku86 / stock.adobe.com)

Selbstfürsorge lernen: mit Selbstliebe Resilienz entwickeln

50 % der Menschen in Gesundheitsberufen sehen sich nach einer Umfrage der pronovaBKK von einem Burnout bedroht, 88 % sind als Person im Dauerstress. – Ohne Frage sind Menschen in Pflegeberufen, Lehrer, Mütter, Ehrenamtliche in der Hospizarbeit oder Mitarbeiter, die soziale Arbeit leisten, gefährdet, nicht ausreichend Selbstfürsorge durchführen zu können.

Belastungen im Beruf, im Alltag und in der Familie

Das Leben mit den unterschiedlichen Phasen ist durch unterschiedliche Bedürfnisse und Sorgen gekennzeichnet: Die Gedanken, die sich eine Mutter um ihre Kinder macht, sind oft von den Polen Liebe und Sorgen geprägt. Für Mütter ist es oft schwierig einen gesunden Egoismus zu entwickeln und die Kinder und ihre Entwicklung loslassen zu können. Diese Situation führt zu Stress. Wird die Selbstfürsorge in dieser Situation nicht ausreichend berücksichtigt, können Erschöpfungszustände entstehen. (Germer, 2012)

Körperliche Belastungen

In der Pflege entstehen vielfältige körperliche Belastungen:

  • Das Drehen, Mobilisieren und Heben von Patienten belasten die Wirbelsäule enorm.
  • Patienten mit Infektions- Erkrankungen gefährden die Mitarbeiter in ihrer Gesundheit.
  • Medikamente und chemische Substanzen zum Reinigen können Hautreaktionen und Allergien auslösen.
  • Unterschiedliche Schichtmodelle belasten die Pflegenden insgesamt.

Diese Belastungen gelten nicht nur für professionelle Mitarbeiter in der Pflege, sondern auch im erhöhten Maße für pflegende Angehörige.


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Belastungen der Seele

Auch die Seele hat Bedürfnisse der Selbstfürsorge: Krankheit ist ein psychosozialer Belastungsfaktor, der in vielen sozialen Berufen relevant ist. Lehrer benötigen oft eine große Nähe zu ihren Schülern, um diese zu motivieren. Die Nähe führt zu einem hohen Belastungsmaß. Die Rahmenbedingungen in vielen Schulen sind ungünstig: große Klassen, hoher Lärmpegel, Kostendruck und ein Mangel an Zeit führen zu vielfältigen Problemen. Rollenkonflikte in der Schule sind nicht selten. Lehrer sind heute Erzieher, Coach, Sozialarbeiter und manchmal auch Elternersatz.

Da Schulen durch die Länder reglementiert werden gibt es nur wenig Einflussmöglichkeiten die Schulen nach den Bedürfnissen der Schüler und Lehrer auszurichten. Die genannten Aspekte führen dazu, dass die Selbstfürsorge zu kurz kommen kann. Die Liebe zum Beruf des Lehrers kann überschattet werden von den Sorgen, die sich durch eine nicht ausreichende Psychohygiene ergeben. Folge dieser Entwicklung können Erschöpfungszustände sein (siehe: chronisches Erschöpfungssyndrom).


Was ist mit Psychohygiene gemeint? Und wie mache ich das im Arbeitsalltag und im Privaten?


Konsequenzen der Belastung

Die Folgen der Nichtbeachtung der eigenen Bedürfnisse nach Liebe, Leben, Schlaf und guten Gedanken führt zu unterschiedlichsten Folgen:

1. Stress

Vielfältige Belastungen die sich aus den Anforderungen für Mütter, Lehrer, Pflegekräfte oder Menschen ergeben die soziale Arbeit durchführen, ergeben ein Stresspotenzial, das auf Dauer krank machend wirken kann. Die Frage „warum Selbstfürsorge so wichtig ist“ zeigt sich in Studien, die die Verweildauer von pflegenden Mitarbeitern im Beruf untersuchen. Junge Menschen wechseln oft bereits nach 2,8 Jahren den Beruf. (Hackmann 2010) Die Ursachen dafür sind vielfältig. Fehlende Zeit auf die Sorgen und Bedürfnisse der Patienten einzugehen und dabei die eigene Selbstfürsorge nicht zu vernachlässigen lassen Erschöpfungszustände, eine Depression oder ein Burn-out-Syndrom wahrscheinlich werden. Menschen, die keinen gesunden Egoismus entwickeln und deren Resilienz nicht ausreicht, verlassen den erlernten Beruf oder wenden sich von den Bedürfnissen der Kinder und der Selbstliebe ab. Selbst für Therapeuten ist es in dieser Phase schwierig, geeignete Interventionen zu finden.

2. Definition: chronisches Erschöpfungssyndrom

Das chronische Erschöpfungssyndrom ist eine Erkrankung, bei der die Müdigkeit und Kraftlosigkeit im Vordergrund steht. Die Schwäche nach einer OP oder einer schweren Krankheit ist vielen Menschen bekannt. Wenn diese Energielosigkeit längerfristig anhält spricht man vom chronischen Erschöpfungssyndrom. Ursache dieser Krankheit sind Infekte oder hormonelle Dysbalancen. Aber auch der persönliche Umgang mit Stress und belastenden Ereignissen spielt bei dieser Beschwerdeform eine wichtige Rolle.

3. Schlafprobleme

Auch Probleme des Ein- und durch Schlafens sind bei mangelnder Selbstfürsorge häufig. Ein mit Selbstliebe gestaltetes Abendritual ist in einer Zeit der Kraftlosigkeit nicht umzusetzen. Selbstfürsorge lernen bedeutet praktische Übungen und Tipps dauerhaft im Alltag zu verankern. Bei Schlafstörungen können unterschiedliche Methoden zum Einsatz kommen.

A. Methoden der Naturheilkunde:

Wie z.B. verschiedene Passio Balance Erfahrungsberichte zeigen, können Nervosität und Einschlafprobleme gelindert werden.

B. Selbstfürsorge am Abend praktizieren:

Rituale mit guten Gedanken, Selbstliebe und Achtsamkeit entwickeln und zum Einschlafen nutzen.


Selbstliebe als Mittel gegen psychische Probleme


4. Burnout-Syndrom

Wenn der Alltag dauerhaft durch Stress überfordert wird und keine Zeit vorhanden ist praktische Übungen der Selbstfürsorge im Alltag umzusetzen, kann ein Burnout-Syndrom entstehen. Die Definition dieser Erkrankung ist uneinheitlich. Häufig wird in der Psychologie davon ausgegangen, dass es sich um eine milde Depression handelt. Für Therapeuten ist es wichtig heraus zu finden, welche Bedürfnisse der Selbstfürsorge im Leben des Betroffenen nicht erfüllt werden können. Vielen Menschen sind ihre Bedürfnisse nach Selbstliebe nicht bewusst. Ihre Gedanken beschäftigen sich permanent mit den Problemen des beruflichen oder familiären Alltags und sie können diese nicht loslassen.

A: Phasen des Burnouts

Das Burn-out Syndrom wird in folgende Phasen unterteilt

  1. Phase der Begeisterung: hier entsteht eine große Opferbereitschaft als Mutter gegenüber dem Kind oder als Mitarbeiter, der soziale Arbeit durchführt, gegenüber seinem Arbeitgeber.
  2. Phase der Stagnation: die Ziele, die in der Begeisterung entstanden, konnten nicht erreicht werden, es gibt keine Resultate, die Tätigkeit führt nicht zu Anerkennung und Wertschätzung; der Spaß an der Arbeit sinkt
  3. frustrierende Phase: Verunsicherung der Persönlichkeit, es entstehen Ängste und ein Rückzug in emotionalen und sozialen Aspekten
  4. apathische Phase: Gleichgültigkeit, Resignation, Depression, Anhedonie, Suchterkrankung

B: Merkmale des Burnouts

  1. Erschöpfung auf geistiger Ebene
  2. Erschöpfung auf körperlicher Ebene
  3. Erschöpfung auf psychischer Ebene

Ausgangspunkt Selbstfürsorge: Strategien und Übungen für den psychosozialen Alltag (Amazon*)
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Bewältigung von Stressreaktionen

Die bzw. eine Definition von Stress ist, dass es sich um eine erhöhte physische oder psychische Anspannung handelt.

Um aus der Stressspirale auszusteigen ist es sinnvoll ein Tagebuch zur Psychohygiene für Therapeuten anzufertigen. Oft gibt es Gedankenkreise, die man loslassen sollte. Für den Alltag kann mit therapeutischen Mitarbeitern Atemübungen zur Beruhigung eingeübt werden. Betroffene lernen bewusst mit dem Atem ihre Emotionen zu steuern. Der Stresskreislauf besteht aus neun unterschiedlichen Phasen:

  1. Wahrnehmung einer Situation
  2. Beurteilung dieser als bedrohlich
  3. Stress
  4. physische Reaktion
  5. Belastung des Organismus durch die Reaktion
  6. Verstärkung der Stresswahrnehmung
  7. Kompensationsversuch des Betroffenen
  8. Reaktion des Umfeldes auf den gestressten Menschen
  9. Anzahl der problematischen Situationen steigt und der geschilderte Kreislauf beginnt von vorn. (Köther, 2016)

Selbstsorge, Selbstpflege, Selbstfürsorge lernen, sich um sich selbst kümmern (© CurvaBezier / Fotolia)
Selbstsorge, Selbstpflege, Selbstfürsorge lernen, sich um sich selbst kümmern (© CurvaBezier / Fotolia)

Psychohygiene im Alltag

Selbstfürsorge lernen ist ein individueller Prozess. Die Umsetzung des Konzeptes und die Ideen zur Psychohygiene im Arbeits- und Familienalltag sind auf unterschiedlichen Ebenen möglich. Um Depressionen zu vermeiden ist es notwendig, die Situationen, die belasten, zu identifizieren. Außerdem sollten durch Vorgesetzte Tipps vermittelt werden, die die Ressourcen der Betroffenen aktivieren, um Resilienz zu fördern. Für Therapeuten der Psychologie ist es wichtig, denjenigen, die unter Stresserleben leiden, Konzepte der Achtsamkeit zu vermitteln. Selbstliebe entwickeln ist eine weitere wichtige Aufgabe im therapeutischen Handlungssetting.

Was ist Selbstfürsorge für Pflegende und Lehrer

Die Liebe zum Beruf ist die Ursache dafür, dass Menschen sich nicht ausreichend um ihre Selbstfürsorge kümmern können. Die Arbeitsbedingungen in diesen Berufen sind häufig so gestaltet, dass Aspekte der Rücksichtnahme und Achtsamkeit gegenüber den Menschen mit Pflegebedarf und den Kindern gelebt werden können.(Hackmann, 2010) In diesen Berufen ist es besonders wichtig eine Prävention von Stress durchzuführen und auf individueller Ebene eine Definition, herzustellen, welche Konstellation aus den Aktivitäten des Tagesverlaufes fördern oder hemmend auf die Selbstpflege auswirkt. Was tun, um diese Situation genauer zu analysieren? Hier ist ein Selbstpflegeprotokoll sinnvoll. Es sollte auf jeden Fall folgende Rubriken enthalten:

  1. Schlafen und Ruhephasen
  2. Essen und Trinken
  3. Bewegung und Sport
  4. Soziale Kontakte
  5. Was war gut?
  6. Was war nicht so gut?
  7. Was möchte ich in den nächsten Tagen verändern (Köther, 2016)

Hilfen auf individueller Ebene

Die Definition bewusster Interventionen auf individueller Ebene ist elementar, um Selbstfürsorge zu lernen. Für Pflegende ist es möglich an Hand unterschiedlicher pflegerischer Modelle die eigene Gesundheit bewusst zu reflektieren.

In allen beruflichen und familiären Kontexten ist sollte der Ansatz des lebenslangen Lernens genutzt werden, um die individuelle Kompetenz zu steigern.

Peer to peer ist der konstruktive Austausch unter Kollegen oder Eltern, um die persönliche Situation besser bewältigen zu können. Auf individueller Ebene sind auch psychotherapeutische Maßnahmen und Supervision möglich. (Köther, 2016)


Psychotherapie von A-Z ♥ – Ein einführender Überblick für Patienten


Selbstfürsorge lernen

Es bieten sich unterschiedliche und vielfältige Wege zur Bewältigung von Einsamkeit, sozialer Isolation, Schlafstörungen und Depressionen an. Wichtig ist es eine Bezugsperson mit in den Lernprozess zu integrieren. Denn nur durch die Reflexion der stressigen Situationen mit nahestehenden Menschen oder Angehörigen therapeutischer Berufe führt auf Dauer zu einer Verbesserung der Situation.

Was ist Selbstfürsorge für die eigene Person? Diese Fragen sollten an Hand des Alltags beantwortet werden. Insbesondere die Aktivitäten des alltäglichen Lebens sollten in den Fokus genommen werden: Schlafen, ausreichend Essen und Trinken, Bewegung, positive Erlebnisse und Gedanken, Maßnahmen zur Achtsamkeit und Entschleunigung.

Weitere Informationen zu Wegen aus der Einsamkeit unter ardmediathek.de/swr/player/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTAyZGNkZjNlLTUxYjctNDA5Mi05NGRhLWJmZjAyYjE2YjRkOQ/

Warum Selbstfürsorge so wichtig ist

Maßnahmen zum fürsorglichen Umgang mit der eigenen Person sind ein zentrales Konzept, um sich um das eigene Ich zu kümmern. Alle präventiven Interventionen beugen psychischen und somatischen Erkrankungen vor und steigern umfassend die Lebensqualität.


Selbstfürsorge lernen (© hikdaigaku86 / stock.adobe.com)
Selbstfürsorge lernen (© hikdaigaku86 / stock.adobe.com)

Literatur:

Ängste, Phobien, Panikattacken > Angststörungen und Angsterkrankungen behandeln