Die Angst egoistisch zu sein - versus: Nein sagen lernen! (© gustavofrazao / Fotolia)

Die Angst, egoistisch zu sein

Viele Dinge haben zwei Seiten – das gilt auch für Egoismus und die Angst egoistisch zu sein. Zum Beispiel kann ein Riesen-Ego schädliche Verhaltensweisen erzeugen. Auf der anderen Seite ist gesunde Selbstliebe eine annehmbare Form, egoistisch zu sein (siehe unseren Artikel Selbstliebe entwickeln). Sie darf ohne Schuldgefühle gelebt werden. Ichbezogenheit ist also nicht immer negativ zu bewerten.

Angst vor Egomanie kann berechtig sein, aber auch einen Krankheitswert annehmen. Letzteres ist der Fall, wenn die Angst vor zu viel Selbstliebe alles andere dominiert und körperliche Symptome sowie Rückzugsverhalten auslöst.

Was ist Egoismus – und wann ist er schädlich?

Eigeninteressen sind immer dann gegeben, wenn jemand etwas aus reinem Eigennutz tut, sagt oder unterlässt. Ichsucht kann sich in unterschiedlichen Verhaltensweisen als zugrunde liegendes Interesse am eigenen Wohl zeigen. Daran ist an sich nichts Falsches, solange die Rechte, Bedürfnisse und Interessen anderer darunter nicht leiden. Seelisch gesunde Menschen lassen sich nicht ausbeuten, achten aber immer die Grenzen ihres Gegenübers. Gesunde Selbstliebe entstammt dem Bedürfnis, sich nicht von anderen vereinnahmen zu lassen. Man erlaubt sich, auch mal nein sagen zu dürfen, wenn ein Ansinnen eigenen Wünschen oder Bedürfnissen entgegensteht.

Lebt sich Selbstverliebtheit aber auf Kosten anderer aus, handelt es sich um Narzissmus (Narzissmus Definition) oder Selbstbesessenheit, eine ungesunde Selbstbezogenheit und Selbstliebe. Wir sprechen auch von Selbstsucht oder Selbstverliebtheit. Ein Fremdwort dafür wäre Egotismus. Außerdem gibt es noch die Egozentrik, bei der alles um das eigene selbst kreist. Die Persönlichkeit von US-Präsident Trump kann als selbstverliebter Narzisst angesehen werden. Solche Menschen interessieren sich nicht für die Belange, Bedürfnisse oder Interessen anderer. Sie setzen eigene Interessen auf Kosten anderer durch.

Vor solcher Art von Selbstbezogenheit dürfen Menschen berechtigte Befürchtungen entwickeln. Eine Angsterkrankung sollte daraus nicht werden. Selbstliebe sollte keinen Krankheitswert erhalten.

Quellen:

Angst egoistisch zu sein? - Ratgeber: Die Kunst, ein Egoist zu sein: Das Abenteuer, glücklich zu leben, auch wenn es anderen nicht gefällt | Beschreibung: Josef Kirschner stellt in diesem Buch folgende provakante Grundthese auf: -- Wir alle sind Egoisten, aber nur wenige verstehen es, das Beste für sich daraus zu machen. Die meisten Menschen passen sich lieber der Mitwelt an. Sie tun alles, um geliebt, gelobt und anerkannt zu werden. Damit machen sie sich zu Marionetten allgemeiner Verhaltensklischees und verzichten darauf, ihr eigenes Leben zu leben. -- Dabei ist es gar nicht so schwer, sein Leben selbst zu bestimmen, sich seine Wünsche zu erfüllen, sie zu unterdrücken, und sich gegen äußere Widerstände durchzusetzen. In -- Die Kunst, ein Egoist zu sein -- wird gezeigt, wie man es gezeigt, wie man es macht. Nicht gefällig, nicht rücksichtsvoll, sondern schonungslos werden uns jene Schwächen vor Augen geführt, die uns an der Selbstverwirklichung hindern. (Amazon)
Angst egoistisch zu sein? – Ratgeber: Die Kunst, ein Egoist zu sein: Das Abenteuer, glücklich zu leben, auch wenn es anderen nicht gefällt | Beschreibung: Josef Kirschner stellt in diesem Buch folgende provakante Grundthese auf: — Wir alle sind Egoisten, aber nur wenige verstehen es, das Beste für sich daraus zu machen. Die meisten Menschen passen sich lieber der Mitwelt an. Sie tun alles, um geliebt, gelobt und anerkannt zu werden. Damit machen sie sich zu Marionetten allgemeiner Verhaltensklischees und verzichten darauf, ihr eigenes Leben zu leben. — Dabei ist es gar nicht so schwer, sein Leben selbst zu bestimmen, sich seine Wünsche zu erfüllen, sie zu unterdrücken, und sich gegen äußere Widerstände durchzusetzen. In — Die Kunst, ein Egoist zu sein — wird gezeigt, wie man es gezeigt, wie man es macht. Nicht gefällig, nicht rücksichtsvoll, sondern schonungslos werden uns jene Schwächen vor Augen geführt, die uns an der Selbstverwirklichung hindern. (Amazon)

Das Gegenteil von Selbstbezogenheit ist Altruismus

Einem ausgemachten Narzissten entgegengesetzt sind Menschen, die eine altruistische Lebenshaltung einnehmen. Der Buddhismus propagiert den Altruismus als die erstrebenswerteste menschliche Haltung. Altruismus bedeutet Selbstlosigkeit. Es handelt sich um ein Idealbild, dem viele Buddhisten nacheifern. Im Mittelpunkt des altruistischen Denkens und Handelns steht der andere Mensch, niemals man selbst. Mit einer altruistischen Grundhaltung versuchen Buddhisten, sich von jeder Form der Selbstbezogenheit zu befreien. Sie möchten dem Ego, das uns in vieler Hinsicht bestimmt, eine andere Haltung entgegen setzen.

Altruismus darf aus westlicher Sicht jedoch nicht zur Selbstaufgabe und Selbstaufopferung führen. Buddhisten sehen das anders, denn für sie ist ein Selbst ein künstliches Konstrukt, das gar nicht existiert. Naturgemäß bewundert jeder andere Menschen, die eine altruistische Lebenshaltung haben. Beispiele unserer Zeit sind der Dalai Lama, Mutter Teresa oder Mahatma Gandhi. Diese Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre persönlichen Interessen hintenan stellen, um anderen zu dienen. So eine Haltung hat in neuerer Zeit allerdings Seltenheitswert. Selbstbezogenheit ist der weit verbreitete Charakterzug der Menschen in heutiger Zeit.

Quellen:

Gibt es verschiedene Formen der Selbstbezogenheit?

Wer sich selbst am nächsten ist, interessiert sich nur selten für die Belange oder Gefühle anderer. Er trennt Mütter von Kindern, wie jüngst in den USA geschehen, oder macht Kinder zu Kindersoldaten und Attentätern. Vieles, was Menschen tun, beruht auf egoistischen Motiven. Ob diese Motivationen immer bewusst sind oder nicht, das ist aber eine interessante Frage. Wenn jemand in einem gemeinnützigen Verein ein Ehrenamt ausübt, klingt das zunächst einmal nach Altruismus. Wenn er aber daran mitwirkt, dass der Vorsitzende diskreditiert wird, um selbst diesen Posten zu besetzen, ist das purer Egoismus.

Gute Taten oder freiwillige Verzichtsleistungen zugunsten anderer sind nicht unbedingt altruistischen Grundhaltungen entsprungen. Sie verkörpern hingegen oft genug das Bedürfnis, als guter Mensch dazustehen und als Gönner in den Medien gefeiert zu werden. Die meisten Menschen würden sich nicht als egoistisch beschreiben. Tatsache ist aber, dass vieles, was wir tun, auf egoistischen Motiven beruht. Es ist paradox, dass Menschen sich nicht als Ichbezogene sehen möchten, damit andere dasselbe von ihnen denken. Das zugrundeliegende Motiv dieses Strebens ist eine Form von Selbstbezogenheit. Es ist gar nicht so leicht, nie egoistisch zu sein. Schuldgefühle muss deshalb niemand haben.

Selbst ein Altruist kann nur aus dem einen Grund altruistisch handeln, um irgendwo als Gutmensch zu gelten. Das ist Selbstbezogenheit. Daher untersucht der Buddhismus die zugrundeliegenden Motivationen hinter einem Handeln, um den wahren Charakter einer Tat zu erkennen. Demnach wäre ein altruistisch handelnder Gutmensch, der nur sein Image im Auge hat, ein Egoist. Seine Tat wäre dadurch im Wert gemindert – zumindest aus psychologischer oder karmischer Sicht. Steckt hinter altruistischem Handeln der Wunsch nach Selbstverwirklichung, kann das schlecht oder gut sein. Stecken dahinter Schuldgefühle, ist das Reinwaschen davon eine Form von Selbstbezogenheit.

Falsch verstandener Altruismus kann demnach genau so schädlich sein wie ungesunde Sebstliebe. Beruht diese auf einem Mangel an Selbstwertgefühl – siehe mangelndes Selbstvertrauen – sollte der Betroffene seine Befindlichkeiten verstehen lernen.


Emotionale Erpressung – verstehen, und Umgang damit


Was haben Ängste mit Selbstbezogenheit zu tun?

Viele Menschen agieren in Beziehungen als Egoisten, weil sie Angst haben, unterschätzt, ausgenutzt oder übergangen zu werden. Sie machen sich daher im Kontakt mit anderen mit Nachdruck bemerkbar. Dazu siehe Beziehungsängste, siehe auch Angst vor Ablehnung. Erstaunlich ist: Viele Grundformen der Angst sind hinter der überbordenden Selbstbezogenheit von Egoisten anzutreffen. Mit Ellenbogen bahnen diese sich rücksichtslos einen Weg durch das Dickicht des Lebenst. Ein Egoist ist meist nicht halb so selbstsicher, wie er tut. Möglicherweise wurde er in der Vergangenheit nicht gut behandelt und musste sich gegen Übergriffe und Vereinnahmungen wehren.

Egoistisches Verhalten kann auch in Stress-Situationen entstehen. Es muss aber nicht unbedingt zu einem Eigennützigen gehören, sondern ist das Resultat einer bestimmten Situation, in der Selbstschutz gefragt ist. Mit Sicherheit gäbe es auch andere Abwehrmechanismen und Strategien, die die Belange anderer Menschen berücksichtigen – aber mancher flüchtet lieber in den Egoismus, um heile aus der Stresssituation herauszukommen. Oft stehen hinter einem Egoisten Minderwertigkeitsgefühle. Wenn US-Präsident Trump sich mit den Ellenbogen den Weg durch hochrangige Politiker bahnt, hat er schlichtweg Angst, übersehen zu werden. Ein Egoist und Narzisst wie Trump will in vorderster Reihe stehen, um wahrgenommen zu werden.

Vor solchen Menschen kann man schon Angst bekommen, weil sie sich als skrupellos geben. Schuldgefühle kennen solche Menschen nicht, Selbstverwirklichung auf Kosten anderer ist für sie normal. Egoistische Menschen wie Trump haben eine niedrige Frustrationsintoleranz. Es mangelt ihnen zudem an Empathie. Sie verhalten sich wie Kleinkinder die nicht bekommen, was sie wollen. Im Gegensatz dazu sind Menschen, die Angst vor Egoismus haben, mit einem Egoismustraining gut bedient. Betroffene können dabei ihre Ängste verstehen und in Zukunft selbstsicherer auftreten. Nein zu sagen, ist gar nicht so schwer.

Quellen:


Angst vor Ablehnung / Zurückweisung verstehen und überwinden lernen


Gegen die Angst, egoistisch zu sein: Was bewirkt Egoismustraining?

Wer nicht egoistisch ist, ist oft viel zu nett. Er lässt sich ausbeuten, benutzen und sagt immer wieder Ja zu Dingen, die er eigentlich gar nicht möchte. Ihm fällt es schwer, gesunde Grenzen zu setzen. Wirft jemand so einem Menschen vor, egoistisch zu sein, weil er doch einmal Nein sagt, wiegt das für den Betroffenen schwer. Trotzdem sollten alle Menschen beizeiten lernen, dass auch sie einen Platz im Leben haben, wo sie ihre Rechte, Interessen und Bedürfnisse ausleben dürfen. Sich ebenso wichtig zu nehmen, wie ein beliebiges Gegenüber, ist gesund. Es ist keineswegs als egoistisch anzusehen, auch wenn jemand einen mit einer Bemerkung dieser Art unter Druck setzen möchte.

Jeder tut gut daran, sich aus solchen Verstrickungen zu lösen. Niemand sollte sich von der Meinung anderer soweit abhängig machen, dass er seinen eigenen Platz nicht mehr behauptet – siehe auch: emotionale Abhängigkeit lösen. Manchmal bedarf es dazu einer Therapie, um den Hang zu mangelnder Eigenliebe in den Griff zu bekommen. Die analytische Psychotherapie bietet dazu ebenso viele Ansätze wie die kognitive Verhaltenstherapie. Selbst diverse Gestalttherapie Methoden können große Fortschritte bringen.

Möglich ist aber auch, sich durch Lebenshilfebücher das nötige Rüstzeug zuzulegen, um zukünftig etwas egoistischer zu sein.

Quellen:

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Dr. Jan Martin - Virtueller Chefredakteur - Digitale Redaktionsleitung Dr. Jan Martin ist virtueller Chefredakteuer von www.angst-verstehen.de. Er ist das Außengesicht der digitalen Redaktionsleitung, verantwortlich für Qualitätssicherung und Publikation der Texte der Redaktion.