Phobophobie, Angstsensitivität, Angst vor der Angst, Erwartungsangst (© astrosystem / Fotolia)

Phobophobie und Angstsensitivität

Die Phobophobie ist auch bekannt als die Angst vor der Angst. Dabei handelt es sich um die Erwartungsangst, also um die Angst vor erwarteten Angstzuständen; man spricht auch von erhöhter Angstsensitivität. Der spezifische Inhalt der Phobophobie ist die Angst selbst. Damit stellt sie einen Sonderfall dar, der bei allen Formen von Angsterkrankungen auftreten kann. Häufig ist diese Angst vor der Angst der Auslöser für Vermeidungsverhalten, das bei vielen psychischen Erkrankungen eine große Rolle spielt. Eine Phobophobie überlagert nicht selten eine andere Form von Phobie oder Angststörung und wird für die Betroffenen nicht nur ein zusätzliches Problem, sondern mitunter sogar zu einem noch größeren Problem.

Phobophobie: Entstehung, Symptome und Verlauf

Meistens tritt die Phobophobie und erhöhte Angstsensitivität bei Betroffenen von anderen Angsterkrankungen auf. Sehr häufig haben sie dabei Erfahrungen mit Panikattacken gemacht, sodass diese extreme Form der Angstgefühle oft das ist, wovor dann wiederum Angst entsteht. Bei Angsterkrankungen generell geschieht eine übertriebene und unangemessene Angstreaktion des Körpers. Die normale Angstreaktion des Körpers ist gestört, wobei diese Störung gewissermaßen darin besteht, dass die Reaktion sich ausweitet auf nicht bedrohliche Situationen oder Objekte, bei denen sie eigentlich keinen Zweck erfüllt. Die Angst vor der Angst ist eine weitere Ausweitung der Angstreaktion.

Die akuten Symptome sind dieselben Symptome wie bei allen Angsterkrankungen (siehe auch körperliche Reaktion bei Angst):

  • Pulsbeschleunigung, Herzklopfen, Schweißausbruch, Zittern, Schwindel, Atembeschwerden (…)

Die Besonderheit bei der Phobophobie als Angst vor eben diesen Symptomen besteht darin, dass oft entsprechende Gedankenkarussells in den Köpfen der Betroffenen diese Angst triggern (vgl. negative Gedanken, siehe auch Gedankenkarussel Lasea). Dazu zählen üblicherweise Gedanken, die auch bei akuten Panikattacken aufkommen (vgl. Was tun bei Panikattacken?):

Die Angst vor der Angst wirkt in dieser Form wie ein Katalysator. Es geschieht häufig, dass Betroffene sich in diese Ängste so sehr hineinsteigern, dass sie diese schließlich tatsächlich empfinden. An dieser Stelle ist eine Abgrenzung allerdings schwierig, weil mit dem Hineinsteigern eher nur die Intensität des Angsterlebnisses gesteigert wird. Das Angsterlebnis selbst, das sich aus sich selbst speist, ist längst vorhanden.

Angstsensitivität und das Vermeidungsverhalten

Ein zentraler Faktor bei der Angst vor der Angst ist das damit sehr oft einhergehende Vermeidungsverhalten. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, bei dem die Erwartungsangst letztlich zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird.

Die Angst, etwa vor einer Panikattacke (Panikanfall), führt dazu, dass Betroffene Situationen und Tätigkeiten vermeiden, bei denen sie fürchten, einen Angstanfall zu bekommen. Das können Situationen sein, in denen sie bereits eine Panikattacke hatten oder auch einfach nur Situationen, in denen sie glauben, eine zu bekommen.

Das bedeutet, der Angstauslöser wird gemieden. Bei spezifischen Phobien ist das mitunter weniger dramatisch, sofern das angstauslösende Objekt kein häufig vorkommender Teil des Alltages ist. Wenn das aber doch der Fall ist, dann kann die Vermeidung der angstbesetzten Objekte den ganzen Alltag bestimmen. Besonders drastisch ist das bei Sozialphobikern, die sich durch ihr Vermeidungsverhalten nicht selten sozial fast völlig isolieren.

Der entscheidende Punkt hierbei ist jedoch, dass die Methode der Vermeidung von angstbesetzten Situationen zur Vermeidung von Angstzuständen nicht funktioniert. Im Gegenteil lernen Betroffene dabei tendenziell eher mehr Angst zu haben. Die angstbesetzten Situationen werden mehr und die Angst wird eher kultiviert und vergrößert. Dazu kommt, dass das Vermeidungsverhalten in vielen Fällen auch das Suchen nach (professioneller) Hilfe verhindert und somit die Angstkrankheit nicht nur intensiviert, sondern auch verlängert.

Psychotherapie – Ein einführender Überblick für Patienten

Therapie und Möglichkeiten der Behandlung von Phobophobien

Es kommt bei der Behandlung stark darauf an, welche Angsterkrankung von der Phobophobie überlagert wird und wie stark das der Fall ist. Die Behandlung der Angst vor der Angst ist ein sehr häufiger Bestandteil der Therapie bei Angsterkrankungen (Angstbewältigungstherapie). Diese kann je nach Art der Angsterkrankung z. B. aus einer Verhaltenstherapie oder einer Konfrontationstherapie bestehen. Bei ersterem kann und muss die Phobophobie durch spezielle Kognitions- und Verhaltensmaßnahmen gesondert behandelt werden (vgl. kognitive Umstrukturierung). Eine Konfrontationstherapie hingegen kommt meist bei speziellen Phobien zum Einsatz und behandelt eher die ursprüngliche Angst bzw. löst die Angstbesetzung eines bestimmten Objektes auf. Damit erledigt sich auch die Angst vor der Angst in diesem Fall (siehe auch Verhaltenstherapie Methoden).

Bei der Selbsthilfe können Entspannungsübungen und ein rationaler, bewusster Umgang mit der Unangemessenheit der Angst helfen, aus dem Teufelskreis der Angst vor der Angst auszubrechen. Dabei ist es jedoch unabdingbar, sich der Angst zu stellen und somit den Angstraum zu verringern.

Zum Weiterlesen:

Erwartungsangst – wie umgehen mit der Angst vor der Angst?

Vermeidungsverhalten bei Angst – Kern des Problems und Ansatzpunkt in der Therapie von Angsterkrankungen

Quellen:

  • phobie-wissen.de/phobienliste/phobophobie-angst-vor-der-angst-alle-informationen/
  • www.hypnoseausbildung-seminar.de/hypnoseausbildung/angsttherapieausbildung/phobophobie/index.html
  • de.wikipedia.org/wiki/Angstst%C3%B6rung#Allgemeine_Symptome
  • de.wikipedia.org/wiki/Angstst%C3%B6rung#Definition

In diesem empfehlenswerten Video erläutert eine Psychologin anhand eines realen Fallbeispieles die Phobophobie und zeigt praktische Mittel, um die zu bewältigen:

YOUTUBE: Angst vor der Angst und was Sie tun können gegen erhöhte Angstsensitivität (youtube.com/watch?v=t_XDX-rM-v4)

Zum Weiterlesen:

Psychische Erkrankungen / Probleme / Störungen im Überblick