Photophobie (Lichtscheuheit) - lichtscheu sein und Angst vor Licht haben (© Thomas Francois - Fotolia)

Photophobie – Bist du lichtscheu; hast du Angst vor Licht?!

Wenn „lichtscheu sein“ zur Angststörung geworden ist…

Die Photophobie – die ausgeprägte Angst vor Licht – ist in den seltensten Fällen auf eine echte Angsterkrankung oder Phobie zurückzuführen (vgl. Definition Phobie). Vielmehr entsteht die Lichtscheuheit meist durch eine krankheitsbedingt erhöhte Lichtempfindlichkeit der Augen. Das hat zur Folge, dass sich die Betroffenen bevorzugt in Räumen mit zugezogenen Gardinen aufhalten und das Tageslicht meiden. Sie tragen wegen starker Beschwerden auch in der Wohnung Sonnenbrillen und vermeiden es, bei einsetzender Dunkelheit eine Lampe anzumachen.

Die Angst vor Licht-Einwirkungen entsteht oft durch Erkrankungen im neurologischen Bereich – etwa Migräne oder Gehirnhautentzündung – oder durch verschiedene Erkrankungen der Augen. Das damit verbundene Meidungsverhalten ähnelt dem sozialen Rückzug bei einer Angsterkrankung. Warum der irreführende Begriff der Photophobie nicht geändert wurde, obwohl er die krankheitsbedingte Lichtscheu in die Nähe einer Angsterkrankung rückt, ist nicht bekannt. Bei Neugeborenen ist Lichtscheu meistens ein Anzeiger für ein angeborenes Glaukom. Bei den Albinos fehlen die Pigmente auch in den Augen. Diese sind daher besonders lichtempfindlich.

Quellen:

Ursachen und Auslöser von Lichtscheuheit / Photophobie

Normalerweise sollten die Symptome der Angst vor Licht verschwinden, wenn die auslösende Ursache behandelt wurde. Doch die Ursache einer gesteigerten Empfindlichkeit gegenüber Lichteinwirkungen wird nicht immer gefunden. Problematisch ist, dass bei den von Photophobie Betroffenen jede Art von Licht zu Symptomen wie Kopfschmerzen, tränenden Augen und Sehprobleme führen kann. Am schlimmsten ist es für die Betroffenen, im Sommer bei hellem Tageslicht die Wohnung zu verlassen. Eine Sonnenbrille filtert oft nicht genug Strahlung weg. Die Betroffenen verlassen daher nur noch nachts das Haus.

Sie leben in einer abgedunkelten Wohnung, in der die Rollläden täglich geschlossen bleiben. Nur bei bewölktem Himmel und an Winterabenden, wenn es früh dunkelt, können solche Menschen am Tagesgeschehen teilnehmen. Wegen dieses ungewöhnlichen Verhaltens halten manche Menschen sie vermutlich für Phobiker. Richtig ist aber, dass der Begriff der Photophobie kaum mehr für echte Phobiker verwendet wird. Dabei handelt es sich um Menschen, die tatsächlich eine panische Angst vor Tageslicht oder Licht im Allgemeinen entwickeln. Dieses Phänomen ist so selten, dass heute nur die krankheitsbedingte Lichtempfindlichkeit mit dem Begriff „Photophobie“ belegt wird.

Quellen:

Photophobie ist meist keine Angsterkrankung

Fakt ist, dass eine Photophobie trotz der Begrifflichkeit, die eine Phobie nahelegt, meistens nichts mit einer Angsterkrankung zu tun hat. In vielen Fällen verschwindet die Überempfindlichkeit gegenüber Helligkeit wieder, wenn die Ursache behandelt werden konnte. Als Ursachen für Lichtscheuheit kommen zahlreiche Möglichkeiten infrage. Vom Tumor an der Hirnanhangdrüse über das Tragen von Kontaktlinsen bis zur Einnahme von Johanniskraut Tabletten (insbesondere, wenn man ein starkes Johanniskrautpräparat nimmt) oder Drogen wie Kokain kann vieles eine Lichtscheu auslösen. Angesichts zahlreicher Auslöser ist eine sorgfältige Anamnese sinnvoll.

Auch das chronische Müdigkeits- oder Fatigue-Syndrom (CFS) ist als Verursacher von erhöhter Lichtempfindlichkeit und weiteren Symptomen bekannt. Das Entstehen dieser Erschöpfungserkrankung (vgl. Erschöpfungszustände, psychische bzw. psychovegetative Erschöpfung nach ICD 10) ist aber bisher ungeklärt, sofern diese nicht durch eine Chemotherapie entstand. Die Behandlung der mit der CFS verbundenen Photophobie ist daher schwierig. In vielen Fällen sind jedoch gut behandelbare Augenerkrankungen ursächlich. Auch verschiedene Medikamente oder Drogen sind dafür bekannt, gesteigerte Lichtempfindlichkeit auszulösen. Hier hilft nur ein Drogenentzug, um die Symptome zum Verschwinden zu bringen

Quellen:

Zur Behandlung der Angst vor Licht vs. Lichtempfindlichkeit

Der Gang zum Arzt ist bei schon bei erhöhter Lichtempfindlichkeit anzuraten – nicht erst bei ausgeprägter Angst vor Licht. Zunächst sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Viele der möglichen Lichtscheuheit-Verursacher liegen in diesem Bereich. Findet der Augenarzt keine Ursache, ist der Neurologe der nächste Ansprechpartner.

Gegebenenfalls ist die Notaufnahme einer Augenklinik aufzusuchen – vor allem, wenn es weitere schwere Symptome am Auge oder im Kopfbereich gibt. Sollten starke Kopfschmerzen, Schwindel, Lichtempfindlichkeit, hohes Fieber, Nackensteifigkeit und ähnlich dramatische Begleitumstände vorliegen, kann es sich um eine Hirnhautentzündung handeln. In diesem Fall ist sofort ein Notarzt zu alarmieren. Nur wenn es durch Panikattacken oder Ähnliches akute Hinweise auf eine psychische Erkrankung gibt, ist ein Psychiater die richtige Adresse. Ob in diesem Fall eine Angsterkrankung vorliegt, die in der Folge zum totalen Rückzug vom Tagesgeschehen geführt hat, kann nur ein Therapeut feststellen (vgl. Therapeuten – was machen die?).

Wird die Angst vor Licht tatsächlich als Angsterkrankung diagnostiziert, kann die kognitive Verhaltenstherapie (siehe auch Verhaltenstherapien) – auch in Kombination mit der Hypnotherapie oder Entspannungstherapien – gute Ergebnisse erzielen. Zuvor sollten aber organische oder andere Gründe für die erhöhte Lichtempfindlichkeit durch eine sorgfältige Differentialdiagnostik ausgeschlossen werden.

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